Dresdner Stollen

 Dresdner Christstollen

Die Stadt Dresden ist bekannt für einige ganz besondere kulinarische Spezialitäten. Die Sitte, Weihnachtsstollen zu backen, ist in Dresden etwa um das Jahr 1450 entstanden. In jener Zeit versuchte man in den Formen der Backwaren kirchliche Erinnerungen wiederzugeben. So sollten Pfannkuchen den Schwamm darstellen, mit dem der Heiland am Kreuz getränkt wurde, und die Brezel die Fessel, die der Herr tragen musste. Der Stollen ist nichts anderes als eine Versinnbildlichung des in Windeln gewickelten Christkindes. Früher war die Stadt Siebenlehn durch ihre Stollen berühmt. Die dortigen Bäcker verschickten ihre Backwaren weithin. Deshalb gerieten sie 1663 mit den Meißner Bäckern in Streit, weil diese nicht dulden wollten, dass das Siebenlehner Gebäck nach Meißen gebracht wurde.

Die Dresdner Bäcker beschwerten sich 1615 darüber, dass die Bäcker zu Siebenlehn große Fuder Backwerk nach Dresden brächten. Die Zubereitung der Stollen mag zu jener Zeit freilich eine andere als heute gewesen sein. Bis zum Jahre 1647 durfte man, wenn gerade Fastenzeit war, zum Backwerk keine Butter nehmen. Da nun dem Weihnachtsfest das große Adventsfasten voranging, konnte man, des Butterverbots wegen, zum Stollenbacken nur Öl benutzen. Das war sehr unbequem und das Gebäck schmeckte wohl nicht all zu gut.

Darum wendeten sich Kurfürst Ernst und sein Bruder Herzog Albrecht an den Papst wegen Aufhebung dieses Verbotes. Wie beide Fürsten das Bittgesuch begründet haben, können wir aus dem Antwortschreiben des Papstes schließen. Dieses lautet: "Sintemahl nun, das euretwegen für uns vorgegeben, dass in Euren Herrschaften und Landen keine Oehlbäume wachsen und dass man des Oehls nicht genug, sondern viel zu wenig und stinkend habe, dass man dann teuer kaufen muß, oder solches Oehl allda habe, das man aus dem Rübsenoehl mach, dass der Menschen Natur zuwider und ungesund, durch dessen Gebrauch die Einwohner der Lande in mancherlei Krankheit fallen.
Als sind wir in den Dingen zu eurer Bitte geneigt und bewilligen in päpstlicher Gewalt, in Kraft dieses Briefes, das ihr, eure Weiber, Söhne, Töchter und all eure wahren Diener und Hausgesinde der Butter anstatt des Oehls ohne einige Pön (Buße, Strafe) frei und ziemlich gebrauchen möget." Später, im Jahre 1691, durften auch andere ihr Gebäck mit Butter mengen. Allerdings war an die Erlaubnis vom Papst die Bedingung geknüpft, den zwanzigsten Teil eines Goldgüldens zum Freiberger Dombau jährlich zu entrichten. Als Sachsen evangelisch wurde, fiel dieses Gebot.

Schutzverband Siegel
Im Jahr 1900 haben sich alle interessierten gewerblichen Hersteller von "Dresdner Stollen" zu einer gemeinsamen Interessenvertretung, dem "Schutzverband Dresdner Stollen e.V.", zusammengeschlossen. Dieser Verband garantiert dem Verbraucher durch ein Qualitätszertifikat - ein ovales Siegel mit betriebsindividueller Kennzeichnung und dem Text "Dresdner Stollen Schutzverband e.V." - die gleichbleibende Qualität des Dresdner Stollens.


Über ein halbes Jahrtausend zurück reicht die Tradition des vorweihnachtlichen Markttreibens in der sächsischen Landeshauptstadt. Den Duft von gebrannten Mandeln in der Nase, die Hände an einem heißen Becher Glühwein wärmend, ist es für Jung und Alt immer wieder ein Vergnügen, die Gassen zwischen den prächtig geschmückten Buden entlang zu schlendern. Natürlich fehlt auch der Christstollen nicht, ursprünglich "Struzel" oder "Striezel" genannt, schließlich verdankt ihm der Striezelmarkt seinen Namen. Ihm zu Ehren wird alljährlich das "Stollenfest" begangen. Vergessen Sie nicht, einen Pflaumentoffel mitzunehmen. Das kleine, aus Backpflaumen zusammengesteckte Männchen ist fast ebenso alt wie der Striezelmarkt und ein typisches Souvenir.


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